Austauschprojekt: Bericht aus Chile 2019

Nach einer rund 27-stündigen Reise landeten Anfang Oktober die vier Tierpfleger/innen aus Essen und Hannover in Santiago de Chile. Dort wurden sie von zwei Mitgliedern von von FinnDomingo e.V. in Empfang genommen wurden, die zuvor bereits vor Ort alles für einen möglichst reibungslosen Ablauf des Projekts vorbereitet hatten.

4. Oktober 2019: Willkommen am Flughafen von Santiago (v.li.): Heinz Schulze (Ausbilder, Essen), Martin Bleicher (Ausbilder, Hannover), Eileen Föge (Auszubildende, Hannover), Karsten Nagel und Ellen Stähr (FinnDomingo e.V.), Denise Blietschau (Auszubildende, Essen)

 

Chile_2019-Bericht
Neben den Routinearbeiten und handwerklichen Arbeiten im Refugio bestimmten Vorträge und praktische Vorführungen sowie Rettungseinsätze den Tag.

 

Gruppenhaltung RPSH
In den wenigen chilenischen Tierheimen leben, anders als in deutschen Tierheimen, nahezu ausschließlich Hunde. Diese sind untereinander allerdings meist erheblich besser sozialisiert als in Deutschland und können deshalb in der Gruppe gehalten werden.

 

Bewegung und ausgiebiges Spiel haben die Hunde im Refugio genug. Die täglichen Gassigänge wurden eingeführt, um Leinenführigkeit zu trainieren und so die Chancen auf Adoption zu verbessern, denn Spazierengehen mit dem Hund kommt zum Glück seit einigen Jahren auch in Chile „in Mode“.

 

Manche Straßenhunde führen durchaus ein gutes Leben. Ortskundige jedoch kennen die Ecken, in denen Tiere vegetieren (und zwar in großer Zahl), deren Zustand selbst erfahrene Tierpfleger entsetzen kann. Der Staat, die Kommunen und die Mehrzahl der Bürger ignorieren dieses Thema, das sowohl für den Tierschutz als auch für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit ein ernstes Problem darstellt.

 

Ein echtes Schlüsselerlebnis war es für das gesamte deutsche Team, die Zähigkeit zu erleben, mit der chilenische Tierschützer um eine Verbesserung der Lage kämpfen – und zwar unter Umständen, die teils völlig hoffnungslos erscheinen, sowie mit in jeder Hinsicht kargster Ausstattung.

 

In jedem Tierheim gibt es ständig irgendetwas zu richten. Nun für alles selbst zuständig zu sein und – mangels Ressourcen – kreative Lösungen finden zu müssen, war für das deutsche Team eine wertvolle Erfahrung. Was tun, beispielsweise, wenn es keinen Wasseranschluss und auch keine bezahlbaren Regentonnen gibt, man das Regenwasser aber trotzdem sammeln will?

 

Mindestens genauso wertvoll war die Erfahrung, sich in völlig fremder Umgebung zurechtfinden zu müssen, noch dazu sprachlich äußerst eingeschränkt. Die Begleitung durch ein sprach- und ortskundiges Mitglied von FinnDomingo e.V. und vor allem die herzliche Aufnahme durch die chilenischen Gastgeber…

 

…hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die vier „Gringos“ das Land und seine Menschen in kürzester Zeit lieben gelernt haben.

 

Dem tat auch der Umstand keinen Abbruch, dass die letzte Woche des Aufenthalts bestimmt war durch die unversehens ausgebrochenen heftigen sozialen Unruhen in Santiago de Chile, die augenblicklich das gesamte Land erfassten und begleitet wurden von Plünderungen und teils extremer Zerstörungswut. Obwohl sich schnell herausstellte, dass die Deutschen persönlich nicht in Gefahr waren, waren sie doch sehr beunruhigt und sorgen sich um die Zukunft des Refugio.

 

26. Oktober 2019: Abschied von lieben Freunden. Vielleicht gibt es irgendwann ein Wiedersehen.

 

Fazit

Unser deutsch-chilenisches Austauschprojekt war für alle Beteiligten ein voller Erfolg.

Es gibt jedoch einen Wermutstropfen: Aufgrund der Unruhen konnten mehrere geplante Aktionen nicht durchgeführt werden (Interview im Radio, Besuch der Redaktion einer großen Zeitung, zwei Vorträge in der Schule, Besuch der Polizeihundeschule). Da das Refugio Patitas Sin Hogar ausschließlich durch private Spenden finanziert wird, sollten diese Programmpunkte in erster Linie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Tierheim lenken und die Menschen zum Spenden motivieren.

Dies ist leider nicht gelungen. Im Gegenteil, bedingt durch die unsichere Lage und die Zukunftsangst, die in vielen Teilen der chilenischen Bevölkerung herrscht, sind seither die Einnahmen des Refugio massiv eingebrochen. Unterstützung ist also nötiger denn je!

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